Unternehmer erzählen

Nach mehr als 25 Jahren kann ein engagierter Unternehmer viele Erfahrungsgeschichten erzählen. Das hat unser Chef Dieter Herrmann getan anlässlich der Existenzgründermesse der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin am 25. April. Unter der Überschrift „Ihre Zukunft beginnt jetzt“ zeigte die Sparkasse in Kooperation mit der IHK und weiteren Partnern berufliche Perspektiven auf.

Hier ein Auszug aus meiner Rede:

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Haben oder hatten Sie auch eine Großmutter, die nicht müde wurde, diese Redensart zu zitieren? Dann waren Sie ganz sicher davon auch immer so genervt, wie ich es war, liebe Unternehmer-Kolleginnen und -Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren. Heute verstehe ich besser, was meine Großmutter gemeint hat. Rundum zustimmen kann ich ihr jedoch immer noch nicht. Denn das Verhältnis von „Arbeit“ und „Vergnügen“ lässt sich – das ist meine Erfahrung – nicht in eine so einfache Formel packen.

Da gibt es Tage, an denen die Arbeit halt einfach getan werden muss und ich am Abend mit dem Gefühl heim gehe, alles ordentlich erledigt zu haben. Keine Euphorie, aber Zufriedenheit. Und da gibt es Tage, an denen bekomme ich das Grinsen nicht aus dem Gesicht, denn gemeinsam mit meinem Team habe ich Unmögliches möglich gemacht. An solchen Tagen ist Arbeit das reine Vergnügen. Es gibt aber auch Tage, an denen ist meine Arbeit völlig und gänzlich vergnügungsfrei. Ist das ein Grund aufzugeben? Ein Grund an meiner Entscheidung für eine Selbstständigkeit zu zweifeln? Nein, natürlich nicht!

Ich bin Unternehmer im Handwerk, habe meinen Betrieb mit heute 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 1990 kurz nach der Wende gegründet und vor allem in den ersten Jahren viel Lehrgeld bezahlt – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne des Wortes. Mehr als 25 Jahre später sieht das ganz anders aus: Bereits zum 5. Mal wurden wir Anfang dieses Jahres durch den TÜV zertifiziert und als „Profi im Handwerk“ ausgezeichnet. Dem vorausgegangen ist konsequente Arbeit – nicht nur für unsere Kundinnen und Kunden, sondern an unserem Unternehmen. Und damit räume ich mit einem Missverständnis auf: Nicht die Gründung ist die Herausforderung. Die Herausforderungen nehmen kein Ende. Wer sein Unternehmen nicht konsequent weiterentwickelt, der wird in diesen Zeiten mehr als jemals zuvor abgehängt: von rasanten technischen Entwicklungen, von wachsenden Kundenerwartungen, von logistischen Standards, von Anforderungen an Organisation und kaufmännische Professionalität, von immer schwerer zu gewinnenden Auszubildenden und Mitarbeitern. Nein, ich möchte den Gründerinnen und Gründern von heute nicht den Mut nehmen. Ich möchte Ihnen vielmehr Mut machen sich ehrgeizige Ziele zu setzen und nicht nachzulassen,

Ich darf hier vor allem für meine Branche – das Handwerk – sprechen. Fakt ist: Kaum ein Berufsfeld hat einen so grundlegenden Wandel erlebt, wie das Handwerk. Da ist der Imagewandel: Handwerker? Das waren früher die mit den schmutzigen Händen und Klamotten. Das waren die mit der harten körperlichen Arbeit. Das waren die, die immer zu spät kamen – oder gar nicht. Das waren die Wortkargen. Und heute? Logisches Denken, technisches Verständnis, handwerkliches Geschick, Kreativität und Talent im Umgang mit Menschen sind nur einige wichtige Merkmale. Richtig kombiniert und umgesetzt lassen sich mit diesen Fähigkeiten Lösungen schaffen, die überzeugen und begeistern. Nicht nur im Handwerk.

Auch wer Traditionen schätzt und sich für Innovationen begeistert, findet im Handwerk seinen Platz. Denn nach einer langen Zeit industrieller Serienfertigung sind heute individuelle, clevere Lösungen gefragt. Selbstverständlich gibt es nach wie vor das Wissen um bewährte Traditionen. Diese werden jedoch zunehmend mit modernster Technik kombiniert, die ein zunehmendes Maß an Präzision und technischem Know-how erfordert.

Schauen wir auf die Beschäftigungsperspektiven: Als Inhaber eines Handwerksbetriebs, der jeden engagierten jungen Mitarbeiter als Glücksfall betrachtet, ist es nicht meine liebste These, aber wahr ist sie dennoch: Neben kleinen oder mittelständischen Handwerksbetrieben gibt es viele große Unternehmen – auch aus der Industrie – , die gut ausgebildete Handwerker mit Kusshand einstellen und ganze Produktionen gerne von kompetenten Gesellen oder Meistern leiten lassen.

Auch der demografische Wandel bietet unzählige Chancen: In den kommenden zehn Jahren müssen mehr als 200.000 Betriebe eine Nachfolge finden – und verhelfen Nachwuchskräften so zu neuen beruflichen Perspektiven und damit auch zur Möglichkeit der Übernahme von Führungsverantwortung.

Und schauen wir nicht zuletzt auch auf die wirtschaftlichen Perspektiven … und die sind sehr gut, denn unser Handwerk ist auch in finanzieller Hinsicht attraktiv. Das durchschnittliche Einkommen eines Handwerksmeisters ist vergleichbar mit dem eines Fachhochschulabsolventen.

Die Chancen sind da – nicht nur im Handwerk. Es braucht Kompetenz, Mut, auch Frustrationstoleranz und nicht nachlassende Veränderungsbereitschaft, diese Chancen zu Erfolgen zu machen. Und für den Fall, dass Sie einmal der Mut zu verlassen droht, möchte ich Ihnen das folgende Zitat mit auf den Weg geben:

„Wenn du daran denkst aufzugeben, dann erinnere dich daran, warum du angefangen hast.“

 

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